Bis ins Pokalfinale: Saisonrückblick des SV Lobeda 77
Stefan Hertwig, 07.08.2013
Lobedas scheidender Trainer Christian Wetzig erlebte mit den 77ern binnen zwölf Monaten beim Aufstieg und im Pokal Höhen sowie in der Meisterschaft Tiefen und feierte mit der Mannschaft den Klassenerhalt in der Kreisoberliga. Foto: Peter Poser
"Nach einem Rückstand musst du noch gewinnen wollen"
Christian Wetzig, wie zufrieden sind Sie mit der Aufstiegs-Saison Ihrer Mannschaft?
Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir die Klasse halten wollen. Das haben wir gemacht, also können wir zufrieden sein. Einzelne Ergebnisse waren positiv, es waren aber auch ordentliche Rückschläge dabei.
Gibt der letztendliche Tabellenplatz 12 das reale Leistungsvermögen von Lobeda 77 in dieser Liga wieder?
Mit der Mannschaft, die uns zum Schluss zur Verfügung stand, ja. Im Großen und Ganzen können wir aber einen einstelligen Tabellenplatz in Angriff nehmen.
Es wurde häufig betont, dass es eine "Lern-Saison" werden würde - was haben Sie persönlich und als Mannschaft gelernt?
Es wird ein anderer Fußball gespielt in dieser Liga, viel schneller, da muss man im Kopf ein Stück weiter sein als in der Kreisliga.
Über welchen Entwicklungsschritt der Mannschaft haben Sie sich am meisten gefreut und welche Schwäche muss schnellstens abgestellt werden?
Wir haben ganz knapp vor der Saison, noch in der Vorbereitung, auf Viererkette umgestellt und trotzdem schnell und gut in die Saison hereingefunden, da hat das Zusammenspiel super geklappt. Ein weiterer Schritt ist, dass über die Trainingsbeteiligung mehr investiert wurde. Die Leute wussten, dass sie jetzt eine Klasse höher spielen. Unsere Schwäche ist das Offensivspiel.
A propos: In der Hinrunde waren Spiele mit Lobedaer Beteiligung immer ein Garant für Tore. In der Rückrunde sprangen nur acht magere Treffer heraus - nicht halb so viele wie jedes andere Team...
Wir haben in der Winterpause drei Riesenabgänge gehabt: Marcel Giessler, Christian Schultz und Stephan Noetzel, auch wenn Letzterer noch sporadisch in der Rückrunde gespielt hat, allerdings ohne Training. Das sind die Leute gewesen, die in der Offensive das Spiel gemacht haben und auch schon höherklassig gespielt haben. Da ist Erfahrung dagewesen. Dann kam der Knacks.
Zum Beispiel den gesamten Juni über, da blieb Ihr Team in sechs Spielen ohne eigenen Treffer und holte nur einen einzigen Punkt - war die Luft raus?
Nein, denn es ging ja bis drei Spieltage vor Schluss noch gegen den Abstieg. Wir haben viel auf Torschuss trainiert - ohne Erfolg. Und wenn du dann zwei, drei Spiele "zu null" spielst, dann geht das schon in den Kopf. Wir hatten im Juni sechs Spiele, aber nur viermal Training. Die Jungs gehen alle arbeiten, da kannst du nicht zweimal die Woche noch trainieren, wenn du Mittwoch-Freitag-Sonntag spielst. Durch einige Verletzungen haben wir dann noch Leute aus der Zweiten "hochgezogen", weil es personell immer enger wurde.
Sind diese vielen Verletzungen Folge der hohen Belastung? Oder von mangelnder Fitness?
Nein, das sind eher unglückliche, schwere Zufälle. Marlon Wehrenberg (Schien- und Wadenbeinbruch) während einer Trainingseinheit, André Schnitzer bekommt eine Hand ins Auge, Marcel Müller kommt nach einem Muskelfaserriss mit Thrombose aus dem Krankenhaus, Sebastian Moenke bleibt während des Spiels im Rasen hängen. Ich bin seit zehn Jahren Trainer, so etwas habe ich noch nicht erlebt, das ist schon heftig.
Angesichts der vielen Ausfälle mal dran gedacht, selbst noch einmal die Fußballschuhe zu schnüren?
Nein, auf keinen Fall, da habe ich nie dran gedacht. Ich hatte meine zwei Kreuzbandrisse. Wir können uns in der ersten und zweiten Mannschaft darauf verlassen, dass immer genug Leute da sind. Da braucht sich kein Trainer hinzustellen.
In diesem Zeitraum gab es auch die deftigste "Naht" der Saison - 0:8 gegen Camburg zu Hause. Sie "verweigerten" anschließend Interviews. Was sagen Sie heute dazu?
Das war der Tiefpunkt der Saison, da hat einfach nichts funktioniert. Vor dem Spiel ging es mit dem Wetter hin und her (wegen heftigen Regens und Gewitters wurde der Anstoß mehrfach um einige Minuten verschoben, Anm. d. Red.) - da merkt man, dass Camburg schon den Schritt weiter war. Die gehen dreimal in die Kabine und wieder raus und sind trotzdem von der ersten Minute an da und haben uns sofort an die Wand gespielt. Auch das müssen wir noch abstellen - nach einem Rückstand musst du das Ding noch gewinnen wollen.
Fast zur Erfolgsgeschichte geworden wäre der Pokal. Alles begann mit dem Sieg gegen Zwätzen, dann mühte man sich gegen unterklassige Gegner. Der Schreck im Viertelfinale: Das Aus gegen Pößnecks Zweite - was war an diesem Tag los?
Wir sind der Meinung, dass die Mannschaft da nur mit 60, 70 Prozent ins Spiel gegangen ist. Gegen eine unterklassige Mannschaft wird das schon was werden. Und dann hochzuschalten, das ist viel schwieriger, als gleich mit hundert Prozent reinzugehen und das Spiel an sich zu reißen. Da sind wir verdient ausgeschieden...
...letztlich half dann aber doch der grüne Tisch ins Halbfinale. Im Endspiel unterlag Lobeda gegen Neustadts Zweite im Elfmeterschießen. Ist es da lediglich am Glück gescheitert?
Nein, wir haben die erste Halbzeit verschlafen. In der zweiten Halbzeit waren wir am Drücker, hatten Neustadt am Boden, dann den Lattentreffer von Erik Heller. In der Verlängerung kam Neustadt dann nochmal auf, da waren wir gleichwertig. Und das Elfmeterschießen ist dann immer glücklich. In der Aufwärmphase hatte sich auch noch Felix Wendler verletzt und musste kurz vor Spielbeginn ausgewechselt werden. Wieder ein Leistungsträger in der Defensive weg. Es ist wirklich in der Rückrunde sehr viel aufeinander gekommen.
Auch nach der Saison verlassen mit Stammtorwart Krull und Verteidiger Wendler wieder wichtige Säulen den Verein - wie kann man das auffangen?
Es ist schwer, in der Liga adäquaten Ersatz zu finden. Wir locken nicht mit Arbeitsplätzen oder finanziellen Geschenken, und das ziehen wir auch weiter durch. Wir bekommen ein, zwei Spieler aus der zweiten Mannschaft, die Verletzten kehren zurück - die Kaderbreit ist da. Felix Abgang ist natürlich schwierig, aber er ist in einem Alter, in dem er so einen Schritt machen muss (wechselt zu Schott II, Anm. d. Red.). Nachdem Jogi sich von einem auf den anderen Tag entschieden hatte, zu gehen, sind wir nun natürlich auf der Suche nach einem zweiten Torhüter.
In jedem Fall werden Sie nicht mehr als Trainer beim SV Lobeda 77 arbeiten. Wann und warum haben Sie diesen Entschluss gefasst?
Vor der Saison war schon die Überlegung da, aus arbeitsmäßigen und familiären Gründen aufzuhören. Ich habe mir das noch eine halbe Saison durch den Kopf gehen lassen und dann im Winter meinen Co und den Vorstand informiert. Der hat sich dann auch super mit uns über einen neuen Trainer informiert und wir haben hoffentlich eine gute Lösung gefunden.
Was trauen Sie dem Team in der neuen Saison zu?
Einen einstelligen Tabellenplatz.
Quelle:Christian Wiesel / 06.08.13 / OTZ